George Grosz – Alltag und Bühne – Berlin 1914-1931

Vom 28. Juni bis 11. Oktober 2015 im Kunstmuseum Bayreuth

1893 in Berlin als Georg Ehrenfried Gross geboren, studierte er ab 1909 in Dresden und Berlin. Schon früh wurde er durch Alfred Flechtheim gefördert, er war 1925 in der Ausstellung „Neue Sachlichkeit“ von Gustav Hartlaub und 1930 auf der Biennale in Venedig vertreten, erhielt zahlreiche Preise und Ehrungen. Bedeutende Museen tätigten Ankäufe seiner Bilder, von den Nationalsozialisten wurden alle diese später als „entartet“ aus den Sammlungen entfernt. Einige sind bis heute verschollen. Am 8. März 1933 wurde er als erster von hunderten von Regimegegnern ausgebürgert. Bereits wenige Tage vor der Machtergreifung Hitlers war er nach New York übergesiedelt. In den USA war sein Werk in zahlreichen großen Ausstellungen zu sehen, er lebte aber von Lehraufträgen. Nach 1945 versuchte Heinrich Ehmsen, der Mitbegründer der Hochschule für Bildende Künste Berlin, Grosz nach Deutschland zurück zu holen. Dort starb er 1959, im Jahr seiner Rückkehr.
Immer wieder zeigt das Kunstmuseum Bayreuth Ausstellungen aus dem Themenzusammenhang Expressionismus und Neue Sachlichkeit, die in der Dr. Helmut und Constanze Meyer Kunststiftung sehr gut vertreten sind. Während der Festspiele ist im Alten Barockrathaus nun vom 28.6. bis zum 11.10.2015 eine umfassende, von Ralph Jentsch kuratierte Ausstellung mit graphischen Arbeiten von George Grosz zum Thema „Alltag und Bühne“ zu sehen. Jentsch hat mehrfach über Grosz und Flechtheim publiziert und war maßgeblich an der Aufklärung des Beltracchi-Kunstskandals beteiligt.
Diese Ausstellung vermittelt einen einzigartigen Einblick in die Wirren der Zwanziger Jahre. Sie führt den Besuchern die Zeit vor und während der Weimarer Republik lebhaft vor Augen. Man vertieft sich in die Bilder des Künstlers und sieht und spürt die aufgeladene Atmosphäre und die menschlichen Irrwege hautnah.
Bilder, die Ursache mehrerer Prozesse gegen Grosz waren, werden in der Ausstellung präsentiert. Hier ist Kunst Geschichte. Einmal mehr wird die Wirkung seiner graphischen Mappenwerke deutlich, die vor allem den Zorn der Mächtigen auf sich zogen. Der skandalumwitterte Grosz arbeitete auch mit den Großen der Literatur- und Theaterwelt zusammen – und für legendäre Bühnen wie die Volksbühne und das Theater am Nollendorfplatz in Berlin von Erwin Piscator – dies sind Facetten des Kritikers George Grosz, die in dieser Ausstellung die ambitionierte Literatur und das innovative Theaterleben mit der Kunst der Zwanziger Jahre vor Augen bringen.
Wie wenige andere polarisierte George Grosz die Kunstszene. Er gilt in vielfacher Hinsicht als Ausnahmekünstler, der mit seiner grundsätzlich gesellschaftskritischen Haltung Dada, den Expressionismus und die Neue Sachlichkeit maßgeblich mit prägte. Auf Grund der Mappe „Gott mit uns“ wird Grosz 1921 erstmals wegen „Beleidigung der Reichswehr“ angeklagt, ein zweites Mal 1923  wegen „Verbreitung unzüchtiger Schriften“ auf Grund der Grafikfolge „Ecce Homo“, ein drittes Mal 1926 wegen Gotteslästerung auf Grund von drei Zeichnungen zu dem Bühnenstück an der Piscator-Bühne „Abenteuer des braven Soldat Schwejk“. Dieser Prozess wurde zu einem der längsten und aufwendigsten Prozesse der Weimarer Republik, der durch fünf Instanzen ging und nach dramatischen Verläufen erst im November 1931 mit einem Freispruch für Grosz und Herzfelde endete.
In einer Podiumsdiskussion wird sich das Kunstmuseum Bayreuth zusammen mit Juristen, dem Dekan der Ev.-luth. Kirche, Künstlern und Kunstvermittlern der Frage „Was darf die Kunst?“ widmen.
 

Weitere Informationen zur Ausstellung

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