Film: Impressionen zur Ausstellungseröffnung – 14. Februar 2016

Hannsjörg Voth / Ingrid Amslinger: Jenseits der Zeit

Vom 14. Februar bis 12. Juni 2016 im Kunstmuseum Bayreuth

Erstmals sind nun im Kunstmuseum Bayreuth die archaisch anmutenden Zeichnungen von Hannsjörg Voth und die poetischen Schwarzweiß-Fotografien der marokkanischen Marha-Ebene von Ingrid Amslinger gemeinsam zu sehen.
Hannsjörg Voth wurde durch seine großen Landschaftsobjekte bekannt. Schon 1977 war er mit einem 30 m langen Floß, darauf eine riesige Mumie mit einer Bleimaske, den Rhein hinab ins Meer gefahren. Im Ijsselmeer hatte er 1978 – 81 in einer archaischen Pfahlpyramide gelebt und ein „Boot aus Stein“ geschlagen. Er beteiligte sich an zahlreichen Symposien der Land Art und realisierte in den letzten 25 Jahren in der Wüste der marokkanischen Marha-Ebene drei architektonische Großskulpturen: die „Himmelstreppe“ mit den geschmiedeten Eisenflügeln, die „Goldene Spirale“, die sich langsam aus dem Sand heraus erhebt, um sich schließlich in ihrem Zentrum in die Erde zu bohren und die „Stadt des Orion“, deren abgestufte Türme der Helligkeit der Himmelskörper im Sternbild entsprechen.
Die Werke und ihr Entstehen wurden begleitet und dokumentiert durch seine kongeniale Partnerin, die Fotografin Ingrid Amslinger. In ihren eindringlichen Bildern hat sie festgehalten, was vergänglich war oder zerstört wurde. In den hier gezeigten Schwarzweiß-Fotografien ist vor allem die einzigartige, weite Wüstenlandschaft zu sehen: Steine und Sandstrukturen, das flirrende Licht der Sandstürme und die absolute Klarheit der Formen, den Horizont und die bewegten, hohen Himmel. Hier klingen Weite, Tiefe und Nähe, scheinbar Unveränderliches und beständige Veränderung zusammen.

Anders als in diesen Fotografien spielt in den Zeichnungen von Voth die Wüste selbst keine Rolle, wohl aber die Bildwelt archaischer, nomadischer Kulturen. Voth hat von klein auf gezeichnet. Weithin bekannt sind seine Projektzeichnungen, oft auf Transparentpapier, die gleichermaßen exakt und impressionistisch – als „Partituren für eine Inszenierung“ (Heinz Neidel) – wirken. Die hier gezeigten freien Zeichnungen, die mit vorgefundenen Materialien, Erden und Sand, Kohle und Wasserfarben, Stiften und Fingern in der Einsamkeit der selbst entworfenen Wüstenbauten entstanden, unterscheiden sich davon grundlegend.

Tiermenschmischwesen bevölkern diese Blätter, Insekten und Schlangen, Ziegen und Antilopen, Panther und Löwen, Hunde oder Schakale. In dieser wilden Welt gibt es Jäger und Gejagte, oftmals ununterscheidbar durch Linien miteinander verflochten. In jedem Jahr hat Voth mehrere Monate lang in Marokko gelebt, gearbeitet und gezeichnet. Nacheinander entstanden hier verschiedene Zeichnungen: „Wasserfarben“ – aquarellartige Pinselzeichnungen in der „Himmelstreppe“ mit dem Brunnen, den die Nomaden als „Hassi Romi“ (Brunnen der Römer = Europäer) bezeichneten, und Stiftzeichnungen in der Goldenen
Spirale und in der „Stadt des Orion“.

Sowohl Amslingers zeitlose Fotografien als auch Voths archaisch
anmutende Zeichnungen sind grundsätzlich elementare Bilder, die „jenseits der Zeit“ in dieser Ausstellung und dem wunderbaren Katalog, der von den Künstlern gestaltet wurde, zusammenfinden.

Das Kunstmuseum Bayreuth bietet hierzu ein umfangreiches Vermittlungsprogramm. Zu sehen ist außerdem der Film „Stadt des Orion“.

Weitere Informationen zur Ausstellung

Weitere Informationen finden Sie im Flyer zur Ausstellung.
Diesen können Sie PDF-Datei herunterladen.


Peter Gaymann
 REIF FÜRS MUSEUM

4. Mai bis 24. Juni 2016 in der Ausstellungshalle im Neues Rathaus

Immer wieder einmal macht das Kunstmuseum Bayreuth einen Ausflug in die Karikatur, die mit Helmut Bibow und Rudolf Hesse auch in den graphischen Sammlungen des Museums vertreten ist. Und auch in der Tabakhistorischen Sammlung der British -American Tobacco finden sich Karikaturen über die Freuden und Leiden des Rauchens, der Raucher und deren Mitmenschen.

In der Ausstellungshalle im Neuen Rathaus zeigen wir nun in diesem Frühjahr eine bunte Schau mit Karikaturen, Zeichnungen und Objekten des Kölner Cartoonisten Peter Gaymann. Bekannt wurde er vor allem durch seine Cartoons, die „Paar-Probleme“, die er regelmäßig in der Zeitschrift „Brigitte“ veröffentlicht. Er publizierte zahlreiche Bücher zu verschiedensten Themen, -daneben macht er dreidimensionale Kunstobjekte. Und die Post hat ihm zu Ehren eine Sondermarke herausgegeben.

Gaymanns Vorbilder sind Sempé, Tomi Ungerer und F. K. Waechter. Und in der Tat finden sich in seinen Cartoons die Liebenswürdigkeit von Sempé, der skurrile Witz von Ungerer und der ironische Biss von Waechter.

„Künstler sind komische Leute. Sie verteilen Farbe aus der Tube auf einem Rechteck namens Leinwand, stapeln Waschmittel-kartons übereinander, die kein Waschmittel enthalten, malen jahrelang immer denselben Berg – und basteln sich überhaupt ihre eigene Welt.“ So schreibt Thomas Wagner im Katalog „Reif fürs Museum“, der die Ausstellung begleitet.

In „Reif fürs Museum“ hat Gaymann die Kunstszene satirisch und auch selbstironisch von der Seite her betrachtet. Dabei entstanden – und entstehen – witzige Momentaufnahmen, die Künstler, Sammler, Händler und Museumsleute gleichermaßen aufs Korn nehmen.

Georg Baselitz, Joseph Beuys, Paul Cézanne, Alberto -Giacometti, Vincent van Gogh, Damien Hirst, Piet Mondrian, Pablo Picasso, Andy Warhol, Niki de Saint Phalle, Edvard Munch oder „Ai Gay Gay“ – alle wichtigen Künstler sind in dieser -Ausstellung vertreten – oder doch zumindest zitiert. Und alle bekommen sie „ihr Fett weg“.

Daneben dürfen wir teilhaben am Entstehen von Gaymanns künstlerischen Ideen auf seinen Reisen, bei denen ihn natürlich immer der Zeichenstift und der Aquarellkasten begleiten.

Sein „Huhniversum“ kommt also nicht zu kurz.

Weitere Informationen zur Ausstellung

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Ausstellungshalle Neues Rathaus
Luitpoldplatz 13, Bayreuth

Öffnungszeiten:

Montag bis Donnerstag 9 bis 17 Uhr
Freitag 9 bis 15 Uhr

Juli / August auch Samstag und Sonntag
10 bis 14 Uhr