Film: Impressionen zur Austellungseröffnung am 10. Juni 2015

Plakate: Ohne Bilder

Vom 10. Juni bis 28. August 2015 in der Ausstellungshalle Neues Rathaus

Seit 2012 wird das Bayreuther Plakatmuseum, eine Schenkung seines Gründers Franz Joachim Schultz mit mehr als 18.000 Plakaten, im Kunstmuseum Bayreuth bewahrt und erforscht. Die Ergebnisse dieser Forschungen werden in den kommenden Jahren in einer lockeren Folge von Ausstellungen und Publikationen der Öffentlichkeit vorgestellt. Unsere Aufarbeitung haben wir mit einem sehr speziellen Plakatkonvolut begonnen, den reinen Schriftplakaten. Dies hat historische Gründe – die ersten Plakate überhaupt waren reine Schriftplakate – und ist der großen Menge an Plakaten geschuldet, die wir mit unterschiedlichen einzelnen Fragestellungen angehen wollen.

„Ohne Worte!“ – in Karikaturen werden so Bilder bezeichnet, die ohne jegliche Texterläuterungen auskommen. Man könnte auch sagen, dass dem Betrachter hier einfach die Worte fehlen, das Gesehene adäquat widerzugeben.

„Ohne Bilder!“ – hat die Plakatkunst begonnen. Können Plakate denn ohne Bilder auskommen? In unserer so bildgesättigten Zeit, die uns mit einer Flut von immer schneller vorbeifließenden digitalen Bildwelten überfüttert, erscheint dies als nahezu unmöglich.

In der Frühzeit der Plakatkunst waren Bildreproduktionen kompliziert, ihre auf Schwarzweiß-Effekte reduzierte Bildqualität war in der Regel nicht befriedigend. Somit war diese Technik für ein doch als Verbrauchsgut gedachtes Medium viel zu teuer. Alle Inhalte wurden also typographisch vermittelt. Dabei entstanden bildhafte Schriftgestaltungen und Schrift-Bilder, die zuweilen an die Konkrete Poesie heranreichen und die uns bis heute faszinieren.

Ja, Plakate können ohne Bilder auskommen! – Schriftplakate sind sogar äußerst vielgestaltig! Sie dokumentieren verschiedene Gestaltungsgrundsätze, zum Beispiel des Jugendstils, des Bauhauses oder der siebziger Jahre, in denen u. a. auch besonders gestaltete Schriftfamilien entstanden und sogleich in Plakaten eine prägnante Verwendung fanden, wo sie auch sogar das Thema selbst visuell vermitteln. In der Sammlung des Plakatmuseums im Kunstmuseum befinden sich leider keine der frühen Plakate, doch viele sehr interessante Beispiele aus der Zeit seit den siebziger Jahren, der Zeit in der Franz Joachim Schultz vor allem gesammelt hat, zu dessen ersten Sammlungsstücken vor allem auch Schriftplakate gehörten. Als erster Band einer neuen Museumsreihe erscheint ein großer Katalog mit Texten von Franz Joachim Schultz, René Grohnert, dem Direktor des Deutschen Plakatmuseums im Museum Folkwang Essen, und Anita Kühnel von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin.

Weitere Informationen zur Ausstellung

Weitere Informationen finden Sie im Flyer zur Ausstellung.
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George Grosz – Alltag und Bühne – Berlin 1914-1931

Vom 28. Juni bis 11. Oktober 2015 im Kunstmuseum Bayreuth

1893 in Berlin als Georg Ehrenfried Gross geboren, studierte er ab 1909 in Dresden und Berlin. Schon früh wurde er durch Alfred Flechtheim gefördert, er war 1925 in der Ausstellung „Neue Sachlichkeit“ von Gustav Hartlaub und 1930 auf der Biennale in Venedig vertreten, erhielt zahlreiche Preise und Ehrungen. Bedeutende Museen tätigten Ankäufe seiner Bilder, von den Nationalsozialisten wurden alle diese später als „entartet“ aus den Sammlungen entfernt. Einige sind bis heute verschollen. Am 8. März 1933 wurde er als erster von hunderten von Regimegegnern ausgebürgert. Bereits wenige Tage vor der Machtergreifung Hitlers war er nach New York übergesiedelt. In den USA war sein Werk in zahlreichen großen Ausstellungen zu sehen, er lebte aber von Lehraufträgen. Nach 1945 versuchte Heinrich Ehmsen, der Mitbegründer der Hochschule für Bildende Künste Berlin, Grosz nach Deutschland zurück zu holen. Dort starb er 1959, im Jahr seiner Rückkehr.
Immer wieder zeigt das Kunstmuseum Bayreuth Ausstellungen aus dem Themenzusammenhang Expressionismus und Neue Sachlichkeit, die in der Dr. Helmut und Constanze Meyer Kunststiftung sehr gut vertreten sind. Während der Festspiele ist im Alten Barockrathaus nun vom 28.6. bis zum 11.10.2015 eine umfassende, von Ralph Jentsch kuratierte Ausstellung mit graphischen Arbeiten von George Grosz zum Thema „Alltag und Bühne“ zu sehen. Jentsch hat mehrfach über Grosz und Flechtheim publiziert und war maßgeblich an der Aufklärung des Beltracchi-Kunstskandals beteiligt.
Diese Ausstellung vermittelt einen einzigartigen Einblick in die Wirren der Zwanziger Jahre. Sie führt den Besuchern die Zeit vor und während der Weimarer Republik lebhaft vor Augen. Man vertieft sich in die Bilder des Künstlers und sieht und spürt die aufgeladene Atmosphäre und die menschlichen Irrwege hautnah.
Bilder, die Ursache mehrerer Prozesse gegen Grosz waren, werden in der Ausstellung präsentiert. Hier ist Kunst Geschichte. Einmal mehr wird die Wirkung seiner graphischen Mappenwerke deutlich, die vor allem den Zorn der Mächtigen auf sich zogen. Der skandalumwitterte Grosz arbeitete auch mit den Großen der Literatur- und Theaterwelt zusammen – und für legendäre Bühnen wie die Volksbühne und das Theater am Nollendorfplatz in Berlin von Erwin Piscator – dies sind Facetten des Kritikers George Grosz, die in dieser Ausstellung die ambitionierte Literatur und das innovative Theaterleben mit der Kunst der Zwanziger Jahre vor Augen bringen.
Wie wenige andere polarisierte George Grosz die Kunstszene. Er gilt in vielfacher Hinsicht als Ausnahmekünstler, der mit seiner grundsätzlich gesellschaftskritischen Haltung Dada, den Expressionismus und die Neue Sachlichkeit maßgeblich mit prägte. Auf Grund der Mappe „Gott mit uns“ wird Grosz 1921 erstmals wegen „Beleidigung der Reichswehr“ angeklagt, ein zweites Mal 1923  wegen „Verbreitung unzüchtiger Schriften“ auf Grund der Grafikfolge „Ecce Homo“, ein drittes Mal 1926 wegen Gotteslästerung auf Grund von drei Zeichnungen zu dem Bühnenstück an der Piscator-Bühne „Abenteuer des braven Soldat Schwejk“. Dieser Prozess wurde zu einem der längsten und aufwendigsten Prozesse der Weimarer Republik, der durch fünf Instanzen ging und nach dramatischen Verläufen erst im November 1931 mit einem Freispruch für Grosz und Herzfelde endete.
In einer Podiumsdiskussion wird sich das Kunstmuseum Bayreuth zusammen mit Juristen, dem Dekan der Ev.-luth. Kirche, Künstlern und Kunstvermittlern der Frage „Was darf die Kunst?“ widmen.

Weitere Informationen zur Ausstellung

Weitere Informationen finden Sie im Flyer zur Ausstellung.
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