Film: Impressionen zur Austellungseröffnung am 07. November 2014

PINSELTANZ UND VOGELBILD – Ostasiatische Tuschmalerei und Kalligraphie aus der Sammlung Walter Gebhard

Vom 7. November 2014 bis 1. März 2015 im Kunstmuseum Bayreuth

„So viele Jahre dieses Glück genießend“ lautet die Übersetzung der
Kalligraphie, die zusammen mit dem Bild eines Beos auf einem Kiefernzweig den Titel dieser Ausstellung bildet. Beide stammen wohl aus dem 17. Jahrhundert.

„Dem Aufsetzen eines mit schwarzer Tusche gefüllten, weichen oder sperrigen, nah oder in Armweite geführten Pinsels auf eigenwillige allerfeinste oder widersetzlich grobe Unterlagen aus unterschiedlichstem Material eignet eine solche Vielzahl von Möglichkeiten und Resultaten, dass man vom Abenteuer der Pinselführung sprechen muss. Geht dem Schreiben oder Malen ein selbst ‚professionell‘ zu nennender Arbeitsgang voraus – das Reiben der Tusche bis zu der gewünschten Dichte, so muss wegen der Gefährlichkeit des Tuns notwendig eine Konzentration auf alle Elemente der ‚Beteiligung‘ folgen. Sie umfasst Körper-, Arm- und Handhaltungen, sie aktualisiert Blickformen und kontrolliert schließlich jene relativ kurzen Strichbewegungen, aus denen sich das fernöstliche Pinselzeichen zusammenfügt. Es muss nicht weniger als fünf deutlich unterschiedenen Schrifttypen genügen. Dabei entwickelt sich ein Widerspruch – um nicht von Dialektik zu sprechen – zwischen dem Zeichen-Vorrat und der Zeichen-Führung. Seit der Entstehung der Pinsel-Kalligraphie um die Zeitenwende wirken die Grundlagen der Erfindung – Ansporn durch die Fährten-Spuren von Wild und Vögeln, genuine Bildlichkeit der Grapheme u. a. – als Momente weiter, die den jeweiligen Vollzug seiner ‚Individualisierung‘ annähern.“ So schreibt der emeritierte Germanistik-Professor, Literaturwissenschaftler und passionierte Sammler ostasiatischer Malerei und Kalligraphie Walter Gebhard in der Einführung des die Ausstellung im Kunstmuseum Bayreuth begleitenden Kataloges.

Tuschmalerei und Kalligraphie sind verwandte Künste. Während die chinesische Kalligraphie sich schon in den ersten Jahrhunderten nach Christus zu einer Klassik entwickelt hatte und seitdem als die ‚erste‘ der Künste gilt, wurde die Farben gegenüber zurückhaltende Tuschemalerei erst um 1000 in der Song-Dynastie und unter dem Einfluss des Zen-Buddhismus zu einer führenden Kunst. Für Japan gewann diese ihrerseits den Stellenwert einer nachzuahmenden Klassik. So hat im 14. Jahrhundert der Ashikaga-Shogun die Sammlung chinesischer Bilder veranlasst, und nach seiner China-Reise brachte Sesshû Tôyô im 15. Jahrhundert die Ideale des chinesischen Stils nach Japan. Dazu gehört auch die Gestaltung von nahezu leeren Räumen, besonders aber das freie Spiel mit einem Pinsel, der nicht mehr Umrisse zeichnet, sondern lavieren, ja spritzen darf – oder sogar von malenden Fingern ersetzt wird. So ist manchmal in der ostasiatischen Kunst kaum auszumachen, ob eine schwungvolle graphische Pinsellinie eher Zeichen oder eher Zeichnung darstellt.

Mit der vorsichtigen Öffnung Japans dem Westen gegenüber entstand auch ein kultureller reger Austausch, der sich zum Beispiel auf den japanischen Holzschnitt auswirkte, der wiederum die Impressionisten oder auch Paul Gauguin stark beeinflussten.

Aus dem Besten der Sammlung von Walter Gebhard zeigt das Kunstmuseum Bayreuth vom 7. November 2014 bis zum 1. März 2015 eine Auswahl von ca. 100 Einzelwerken von bedeutenden chinesischen und japanischen Künstlern und Schulen seit dem 15. Jahrhundert.

Dazu zeigt das Kunstmuseum Bayreuth bis 31. Dezember 2014 Japanische Holzschnitte aus der Dr. Helmut und Constanze Meyer Kunststiftung und ab dem 4. Januar 2015 Plakate aus Asien aus dem Plakatmuseum im Kunstmuseum.

Weitere Informationen zur Ausstellung

Weitere Informationen finden Sie im Flyer zur Ausstellung.
Diesen können Sie PDF-Datei herunterladen.


Peter Vogel – Klang-Bewegung-Licht

Vom 11. Januar bis 26. Februar 2015
in der Ausstellungshalle im Neuen Rathaus

Immer Anfang des Jahres zeigt das Kunstmuseum Bayreuth in der Ausstellungshalle im Neuen Rathaus ungewöhnliche Konzepte von Künstlern, die den Raum thematisieren. Begonnen hat die Ausstellungsreihe mit HD Schraders „Cubes & Cracks“. Sein Roter Kubus ist noch in einem Baum oberhalb des Wittelsbacher-Brunnens zu sehen.

Die technisch anmutenden flackernden und tönenden Arbeiten von Peter Vogel (*1937) stellen einen besonderen Aspekt der kinetischen Kunst vor. Als Jugendlicher bereits baute Peter Vogel Tonbandgeräte und elektronische Zusatzgeräte, um mit Klängen zu experimentieren. Seit seiner Kindheit ist er an Film und Video interessiert. Er absolvierte eine Musik-, Tanz- und Choreographieausbildung, studierte Physik und beschäftigte sich intensiv mit Neurophysiologie, Psychologie und kybernetischen Verhaltensmodellen. Sein künstlerisches Werk beginnt Vogel in den fünfziger Jahren mit Malerei, Tanz und Choreographie. In dieser Zeit beginnt er auch bereits, elektronische Musik zu komponieren. Er dreht Videos, macht 1969 erste Experimente mit kybernetischen Plastiken und beginnt
interaktive Kunstobjekte zu entwickeln.

Ein längerer Arbeitsaufenthalt führt ihn nach New York. An der Hochschule der Bildenden Künste Saar hatte er einen Lehrauftrag inne. Vogel erhielt den Reinhold-Schneider-Preis der Stadt Freiburg und den Deutschen Ehren-Klangkunst-Preis des Skulpturenmuseums Glaskasten in Marl und des WDR3.

Die Objekte verleugnen ihren technischen Aufbau nicht. Ihre Konstruktion
ist ihre Ästhetik. Die Wandobjekte sind Kompositionen mit Linien aus Draht und farbigen Punkten und Flächen aus Widerständen und Lautsprechern. Manchen Stelen ist etwas Skulpturales, ja Figürliches eigen. Frei im Raum stehend oder von den Wänden aus reagieren die Objekte auf Geräusche und auf Lichtveränderungen. Sie sind mit Sensoren ausgestattet, die in rhythmischen Abfolgen hintereinander geschaltet sind, und erzeugen selbst Licht und Klang. Der Betrachter kann mit ihnen spielen. Sie antworten ihm. Sie sind Instrumente und dialogische Partner zugleich.

„Sein Schaltplan liegt fest, doch die Antworten sind immer wieder anders, neu, nicht vorherzusehen.“ Sie reflektieren die „Standortbestimmung des Menschen in einer hoch technisierten Welt zwischen Mikrokosmos und Makrokosmos, in der innersten Nähe und äußersten Ferne sinnlich kaum mehr zu unterscheiden sind. In der es vielleicht nur noch eine Möglichkeit gibt, sich selbst zu erleben: die des Spiels.“ (Jochen Ludwig)

Weitere Informationen zur Ausstellung

Weitere Informationen finden Sie im Flyer zur Ausstellung.
Diesen können Sie PDF-Datei herunterladen.


... vokale und anderes ... – Symposion

Begleitende Ausstellung noch bis 22. Februar im Kunstmuseum Bayreuth:
NICHTS FÜR SCHNELLE BETRACHTER UND BÜCHER-BLÄTTERER.
EUGEN GOMRINGERS GEMEINSCHAFTSARBEITEN MIT KÜNSTLERN

Mappenwerke von Gerhard Frömel, Diet Sayler, Ludwig Gebhard, Vera
Röhm, Jo Enzweiler, HD Schrader, Heinz-Günter PragerAnton Stankowski
und Rolf Schroeter.

-----------------------------------------------------------------------------------

Am 25. Januar 2015, 11.00 – 16.00 Uhr im Kunstmuseum Bayreuth

Anlässlich des 90. Geburtstages von Eugen Gomringer veranstaltet das Kunstmuseum Bayreuth ein Symposion mit Freunden und Weggefährten
des Poeten und Künstlers.

Vorträge mit anschließender Diskussion sind der „Dialektik des Konkreten“ (Hans Jörg Glattfelder), der „Metaphysik – kritische Züge des Konkreten“ (Burghart Schmidt) gewidmet, Stephen Bann spricht (über) ein „Sonnet for Eugen Gomringer“, Christian Banasik über seine Vertonung von Gomringer-Texten „I see a Voice“, Annette Gilbert stellt im Rahmen einer kleinen Ausstellung eine neue Publikation zu den Künstlerbüchern vor, Heidi Bierwisch drückt ihren Dank aus und Nora Gomringer wird Texte ihres Vaters rezitieren.

In der Mittagspause von 13 bis 14 Uhr besteht Gelegenheit zum Besuch der Ausstellung „Pinseltanz und Vogelbild – ostasiatische Tuschmalerei und Kalligraphie aus der Sammlung Walter Gebhard“ und im Anschluss an die Veranstaltung um 16 Uhr zum Besuch der Ausstellung „Peter Vogel: Klang – Bewegung – Licht“ in der Ausstellungshalle im Neuen Rathaus (mit Anmeldung!).

Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei. Bitte melden Sie sich zum Besuch der Peter-Vogel-Ausstellung an der Museumskasse an, da die Ausstellungshalle im Neuen Rathaus sonntags geschlossen ist und nur für die Symposionsteilnehmer geöffnet wird.

Weitere Informationen zum Symposion

Weitere Informationen zu den Teilnehmern und zum Ablauf finden Sie im Flyer.
Diesen können Sie als PDF-Datei herunterladen.