17.10.2010 - 09.01.2011
Maß, Rhythmus und die Variation eines Themas sind Grundlagen der Gestaltung in Musik und bildender Kunst. Peter Weber, der Künstler und Musiker ist, formt in seinen Werkreihen zur Konkreten Kunst das Material, in dem er es faltet, zu Rhythmen der Fläche und des Raumes. Aber anders als der Klang, der im Raum verhallt, bleiben die zu Formen gefalteten Flächen bestehen. Maß, Rhythmus und Variation werden handgreiflich erfahrbar. Der in Kollmar an der Elbe geborene Künstler studierte in Hamburg bei Max Herrmann Mahlmann. Ende der siebziger Jahre verließ er die op art und die Kinetische Kunst und begann Objektreihen aus Papierfaltungen zu entwickeln. In den folgenden Jahren kamen als weitere Materialien Leinwand, Filz und mit HDPE ein transparenter Kunststoff hinzu. Die Bayreuther Ausstellung zeigt mit Leihgaben aus Museums- und Privatbesitz vor allem auch neuere, zum Teil großformatige Filzobjekte der Jahre 2000 bis 2010.
Die Faszination der Objekte liegt darin, dass sie in ihren komplexen, aber nicht komplizierten Faltungen Verborgenes sichtbar machen und zugleich Offensichtliches verbergen. Vorder- und Rückseiten eines Objekt sind gemeinsam zu sehen, Haptisches und Logisches gehen Hand in Hand. So wird aus einer Fläche über eine Bewegung in den Raum hinein durch die Faltung eine vervielfältigte und verräumlichte Fläche. Der Raum entfaltet sich sozusagen in die Fläche hinein – oder die Fläche in den Raum? Faltungen kommen in der Realität vor, wenn eine große Oberfläche auf einem kleinen Raum zusammengeführt wird: in der DNS, in der Großhirnrinde, bei der Entstehung von Gebirgen. Peter Weber ist stets auf der Suche nach neuen ästhetischen Lösungen „nach den Regeln der Kunst“ – wie eine frühere Ausstellung benannt war.
Peter Webers Faltungen liegen mathematischen Grundprinzipien zugrunde, die auch in der Musik wirksam werden. Um dies zu erfahren, bietet das Kunstmuseum Bayreuth am Sonntag, dem 12.12.2010, um 16 Uhr, „Jazz nach 4“, ein besonderes Konzert, in dem der Künstler Peter Weber (Bass) mit Wolfgang Lackerschmid (Vibraphon) und Harald Pompl (Schlagzeug) zu hören sein wird.
Parallel zeigt das Kunstmuseum eine Installation mit einem „48er blätterblock in 16 kreuzungsvarianten (konstellationen) zu je 3 farbigen stationen“ von A. D. Trantenroth. Diese Serie ist ein Geschenk des Künstlers an das Museum.