17.04.2011 - 19.06.2011
Kunstmuseum Bayreuth
Im Sommer 2010 zeigte das Kunstmuseum Bayreuth in der Ausstellungshalle im Neuen Rathaus eine Auswahl von Werken aus der Sammlung von Prof. Dr. Felix und Sybille Böcker, darunter auch eine Reihe von frühen Bildern und Zeichnungen von Werner Knaupp. Knaupp, der 1936 in Nürnberg geboren wurde, hatte in den siebziger Jahren unter Prof. Böcker als Hilfspfleger im Bayreuther Nervenkrankenhaus gearbeitet. Dort waren eindringliche Kohlezeichnungen von in sich eingeschlossenen Menschen entstanden. Während seines Aufenthaltes in den Sterbehäusern der Mutter Teresa in Kalkutta und durch seine Arbeit im Nürnberger Krematorium kamen die fast rein schwarzen Verbrennungs-Bilder hinzu. Erst später entstanden zum Teil starkfarbige Gouachen und Pastelle von Bergen und Vulkanen.
Es fügt sich gut, dass das Kunstmuseum Bayreuth in diesem Frühjahr zum 75. Geburtstag von Werner Knaupp nun eine Einzelausstellung mit seinen neueren Werken zeigen kann. Das Thema „Wasser und Feuer“ ist als Kooperation mit dem Kunstverein Hof angelegt, dort werden im Feuer geformte Eisenplastiken zu
sehen sein, in Bayreuth die neuesten Bilder, u. a. auch aus der Serie seiner letzten Islandreise.
Das Werk von Werner Knaupp bestimmen vor allem seine ausgedehnten Reisen an ungewöhnliche, zum Teil extreme Orte der Erde. Von diesen bringt er immer wieder neue Bilder mit: neue Landschaften, neue Wahrnehmungen, neue Techniken, die sich ihm in der Ferne erschließen. „ ‚Grenzüberschreitungen‘ sind immer ein Wagnis. Das gilt für die reale Lebenssphäre nicht minder wie für die künstlerische Reflexion“, schreibt Brigitte Rieger-Jäger.
Seit 2002 entstehen große Vulkan-, Klippen- und Meeresbilder in Acryl, die in mehrteiligen Gemälden nahezu 1:1 die Natur in ihrer Gewaltigkeit erscheinen lassen. Doch geht es ihm nicht um Landschaftsmalerei im klassischen Sinne, nicht um See- oder Bergstücke. Stets geht es ihm um existenzielle Erfahrungen, der Schroffheit von Felsen, dem Gleißen des Lichts, der unbändigen Kraft von Wellen. Dazu parallel stehen seine Bilder schroff, gleißend und von unbändiger Kraft, sind mit vollem körperlichem Einsatz Schicht um Schicht reliefartig auf die Leinwand gebracht – Überlebensbilder. Peter Anselm Riedl spricht im Katalog der Arbeiten von 2002 – 2008 von einer „Körperhaftigkeit“ und „Stofflichkeit der Farbe“ von „Verwerfungen, Furchungen, knotigen Verdickungen und ähnlichen, der Sprache nur schwer zugänglichen Unregelmäßigkeiten der Bildhaut“.
Über seine Zeit im Bayreuther Nervenkrankenhaus schreibt Lucius Grisebach: „Was er suchte war nicht das Motiv, sondern die Erfahrung.“ Im Bild gerinnt diese Erfahrung während des Malaktes. Es ist die Erfahrung von Malerei an sich, die Werner Knaupp dem geneigten Betrachter ermöglicht.
Die Ausstellung wird begleitet durch ein umfangreiches Vermittlungsprogramm.