04.07.2010 - 27.08.2010(Ausstellungshalle im Neuen Rathaus)
Die Sammlung Felix und Sybille Böcker spiegelt das Ergebnis jahrzehntelanger Beschäftigung mit Kunst, wobei die Wege und Schwerpunkte unterschiedlich waren. Gemeinsam erwerben wir seit 15 Jahren Bilder und Skulpturen.
Die erste Begegnung Felix Böckers mit neuer, teilweise abstrakter Nachkriegskunst fand 1946 in Iserlohn statt, da war er 15 Jahre alt und tief beeindruckt. Sybille Böckers erster Kontakt mit moderner Malerei erfolgte in Bayreuth im Atelier des Malers und Bildhauers Friedrich Böhme und dessen Kollegen von der damaligen Künstlervereinigung „Freie Gruppe“.
Über Freunde, Galeristen, Ausstellungen kamen wir unabhängig voneinander enger mit zeitgenössischer Kunst und ihrer verwirrenden Vielfalt zusammen. Felix Böcker und seine erste Frau Gisela erhielten wichtige Impulse
durch Rolf Wedewer, damals Direktor des Museums Schloss Morsbroich in Leverkusen. Künstlerkontakte mit Bernard Schultze, Adolf Luther, Franz Bernhard, um nur wenige zu nennen, resultierten daraus und führten zu Erwerbungen. Später, beruflich in Bayreuth angekommen, wurde Werner Knaupp aus Nürnberg
gewichtiger Teil der inzwischen umfangreichen Bestände. Mit ihm und seiner Frau verbinden uns freundschaftliche Beziehungen.
Sybille Böckers Wege zur Kunst liefen über Hamburg und Paris. Auch hier waren die Einflüsse von Freunden, Ausstellungen und Galerien maßgebend. Die Informellen wie Jean Miotte, der Tachist Pierre Soulages oder auch die damals in Paris ansässigen Bellmer und Dahmen beeinflussten Sehgewohnheiten und Vorlieben.
Als wir 1995 unser beider Leben und unsere Bilder vereinten, ergab sich eine stattliche Menge an Kunst, die von passionierten Amateuren zusammengetragen worden war. Sie wurde erweitert durch Werke von Künstlern aus der ehemaligen DDR, wie dem Stelzmannschüler Andreas Wachter oder Hans-Hendrik Grimmling, durch Neuerwerbungen aus Portugal, durch Bilder aus Österreich oder Argentinien. Immer waren und sind spontane Zuneigung und Faszination ausschlaggebend für den Erwerb, unabhängig von Trend, Stilrichtung oder gar Spekulation. Auf diese Weise entstand ein „Sammelsurium“ zeitgenössischer und moderner Kunst, das die Vorlieben von Liebhabern, aber auch die Komplexität unserer Zeit wiedergibt.
(Felix und Sybille Böcker)
Bei seiner Eröffnung im Dezember 1999 konnte das Kunstmuseum Bayreuth drei Sammlungen präsentieren: die Dr. Helmut und Constanze Meyer Kunststiftung, die Georg Tappert Schenkung und die Caspar Walter Rauh Sammlung der Oberfrankenstiftung. Seitdem wurde das Museum durch manche Stiftungen und Schenkungen bereichert, viele Lücken wurden gefüllt, manches Neue konnte entdeckt werden.
Eine langjährige freundschaftliche Zusammenarbeit verbindet das Kunstmuseum mit dem Sammlerpaar Prof. Dr. Felix und Sybille Böcker. Diese mündete 2008 in eine größere Schenkung von Kohlezeichnungen, Aquarellen und Lithographien von Werner Knaupp, ein Konvolut von Graphiken von Bernard Schultze und Arbeiten von Stefan Wewerka, Winfried Gaul, Victor Vasarely und anderen. Seit seiner Arbeit im Bayreuther Nervenkrankenhaus Mitte der 70er Jahre wurde Werner Knaupp ein enger Freund und Weggefährte der Sammler. Mit den Arbeiten von Friedrich Böhme und Werner Froemel liegt ein besonderer Schwerpunkt der Sammlung in der frühen Nachkriegskunst Bayreuths. Begleitet wird dieser Schwerpunkt von Klassikern der Nachkriegsmoderne wie Adolf Luther, Lucio Fontana oder – heute zu Unrecht in Vergessenheit geraten – Ferdinand Spindel. Eine der Hauptaufgaben des Kunstmuseum Bayreuth wird in den nächsten Jahren die eingehende Erforschung der Bayreuther „Freien Gruppe“ sein. Die Sammlungsbestände des Ehepaares Böcker bilden hier einen wichtigen Ausgangspunkt.
Viele bekannte Künstler sind in der Sammlung von Felix und Sybille Böcker vertreten, so Franz Bernhard, Heribert Bezold, Friedrich Böhme, Ralph Fleck, Lucio Fontana, Raimund Girke, Hans-Hendrik Grimmling, Robert Häusser, Octavio Herrera, Edgar Hofschen, Bernd Klötzer, Sepp Laubner, Adolf Luther, Heino Naujoks, Heinz-Günter Prager, Alf Schuler, Bernard Schultze, Ferdinand Spindel, Andre Thomkins, Michail Tichonov, Winfried Virnich, Dorothee von Windheim, Andreas Wachter, Josef Wedewer, Icke Winzer, Wilhelm Zimolong.
Aus der umfangreichen Sammlung von Felix und Sybille Böcker zeigt das Kunstmuseum Bayreuth im Juli und August in der Ausstellungshalle im Neuen Rathaus eine repräsentative Auswahl. (Marina von Assel)