AugenZeugen mit Stift und Kamera Max Beckmann und Armand Besch

Die Ausstellung zeigt zwei künstlerische Positionen, die die gesellschaftlichen und politischen Umbrüche ihrer Zeit sichtbar machen. Die Grafiken von Max Beckmann (1884 – 1950) und die Fotografien von Armand Besch (1872 – 1955) sind nicht nur als Zeitdokumente, sondern auch als sehr persönliche Kommentare auf gesellschaftliche Wirklichkeiten zu verstehen.

Beckmann gehört zu den zentralen Figuren der Moderne. Geboren in Leipzig und ausgebildet in Weimar bewegte er sich früh in den künstlerischen und intellektuellen Kreisen Berlins und Frankfurts. Die politischen und gesellschaftlichen Umbrüche des frühen 20. Jahrhunderts haben sich tief in sein Werk eingezeichnet. Beckmanns Grafik ist geprägt von einer intensiven Beobachtung des städtischen Lebens. Wiederkehrende Motive sind Szenen des Alltags, des Krieges und des Vergnügens, Figuren aus Varieté und Jahrmarkt, sowohl vor als auch hinter den Kulissen. Es sind keine neutralen Darstellungen. Die damalige Sicht auf soziale Rollentypen und Klischees, eingefärbt durch die politischen und gesellschaftlichen Perspektiven ihrer Zeit, kann auch in Beckmanns Werken aus den Mappen „Gesichter“ (1918), „Jahrmarkt“ (1921), „Berliner Reise“ (1922) und „Day and Dream“ (1946) nachvollzogen werden. In der NS-Zeit als „entarteter Künstler“ diffamiert, wurden Beckmanns Werke aus deutschen Museen entfernt und 1937 teilweise in der Ausstellung „Entartete Kunst“ gezeigt. Noch im selben Jahr ging er ins Exil. Beckmann lebte und arbeitete in Dänemark, den Niederlanden und ging mehrmals nach Paris um letzten Endes, getrieben durch die politische Situation in Europa, nach New York überzusiedeln.

Armand Besch dokumentierte ebenfalls seine Zeit, jedoch mit dem Medium der Fotografie. Besch lebte und arbeitete in Berlin, Danzig und Coburg und unternahm Reisen nach London und Paris, die seinen Blick entscheidend prägten. Er hielt bedeutende historische Ereignisse fest, wandte sich zugleich aber auch dem Menschen im Alltag zwischen Arbeit und Freizeit zu. Seine Fotografien verbinden dokumentarische Genauigkeit mit einer zeitgenössischen Bildästhetik. Neben urbanen Motiven finden sich in Beschs Werk auch idyllische Darstellungen des Landlebens und romantisch verträumte Naturbilder. Sie stehen in bewusstem Kontrast zum pulsierenden Stadtleben und zu den Erfahrungen politischer Krisen und Kriegszeiten. Von 1916 bis 1918 war Besch als Landsturm-Rekrut eingezogen; auch diese Erfahrung hielt er in Bildern fest. Als begeisterter Ruderer unternahm er darüber hinaus Wanderruderfahrten, die seine Beziehung zur Natur vertieften und sich in der Wahl seiner Motive widerspiegeln. Er arbeitete mit den modernsten fotografischen Techniken seiner Zeit, experimentierte mit Materialien, Chemikalien, Belichtungszeiten sowie mit Druck- und Reproduktionsverfahren. Einige seiner Arbeiten sind der Strömung des Piktorialismus zuzuordnen, die die Fotografie als eigenständige Kunstform verstand.

Das Plakatmotiv der Ausstellung verbindet beide Positionen auf besondere Weise: Armand Beschs Selbstporträt im Fotostudio (Berlin, 1902) trifft auf Max Beckmanns Grafik „Selbst im Hotel“ (1922) aus der Mappe „Berliner Reise“. Die Selbstbilder zeigen eine gemeinsame Haltung: Das Verständnis zweier Menschen als Augenzeugen die Welt in Bildern festzuhalten, die sich im starken gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Wandel befindet.

Die Ausstellung lädt dazu ein, die unterschiedlichen Perspektiven, festgehalten mit Stift und Kamera, zu entdecken und das Gesehene als einen individuellen Akt der Zeugenschaft einzuordnen.

Weitere Informationen zur Ausstellung

Weitere Informationen finden Sie im Flyer und den Pressebildern zur Ausstellung.

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